Allsound-Umbau
Mrz 8th, 2009 | By admin | Category: Allsound-Umbau
Seit den 1960er-Jahren haben viele Firmen Rotationslautsprecher gebaut. Zu ihnen gehörten auch die Firmen Dynacord, Solton und Allsound, die Geräte bauten, die sich sehr ähneln. Bei Auktionen im Internet kann man sie mitunter recht preisgünstig bekommen, da sie aufgrund ihres Alters oft mehr oder weniger defekt sind. Meist ist der Verstärker unbrauchbar. Es sind fast immer Transistorverstärker, bei denen wenigstens die Ladeelkos des Netzteils und die Potentiometer ausgetauscht werden müssen. Ob sich das lohnt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Transistorverstärker klingen natürlich anders als Röhrenverstärker, und manch ein Hammond-Clone klingt an derartigen Verstärkern zu brillant, manchmal geradezu “spitz”.
Da die Mechaniken dieser alten Rotationslautsprecher sehr robust gebaut sind, kann es höchstens mal sein, dass die Treibriemen fehlen oder unbrauchbar sind. Originale Ersatzteile sind zwar nicht mehr zu bekommen, da es sich aber um normale Rundriemen aus Gummi handelt – manchmal umsponnen – kann man ähnliche kaufen.
Der Rotationslautsprecher auf der unten stehenden Abbildung stammt von der Firma Allsound. Das Gerät konnte für 35 Euro ersteigert werden. Es war seinem Alter entsprechend äußerlich in gutem Zustand, defekt waren ein Treibriemen, der Tieftöner und der Verstärker.
Das zweiteilige Gehäuse hat zwar Vorteile – es lässt sich leichter transportieren -, doch sollte ein einteiliges Kabinett daraus werden. Der Verstärker wurde nach einem kurzen Reparaturversuch – Austausch der Ladeelkos – entfernt. Er war zwar laut und durchaus brauchbar, klang an einer Korg BX3 aber geradezu grell. Der Tieftöner kratzte bei größerer Lautstärke, war also mal überlastet worden. Eine Reparatur hätte sich hier nicht gelohnt. Das gesamte Gerät war natürlich innen völlig verstaubt.
Hier sieht man den Hochtonrotor, den Druckkammer-Hochtöner der italienischen Firma RCF, einen Teil des Antriebs – zwei Elektromotoren – und die sehr einfache Frequenzweiche – sie bestand aus einer einzigen Spule und zwei gegeneinander gepolten Elkos.
Das Gerät wurde komplett demontiert und die einzelnen Teile gereinigt. Die Lager der drehenden Teile wurden geölt.
Das neue Gehäuse besteht aus 18 mm starken Mulitplexplatten aus Birke.
Hier die Einzelteile. Aufgebaut wird das Gehäuse ganz klassisch auf einer Grundplatte, deren Maße die Hochton-Einheit aus dem Allsound-Gehäuse vorgibt.
Auf der Grundplatte werden Leisten verschraubt, an denen wiederum die Seitenteile befestigt werden. Auf dem Bild ist auch eine Öffnung zu sehen, die in der Größe der “Bassreflex”-Öffnung des Allsound-Gehäuses gleicht. Die Wirksamkeit darf bezweifelt werden. Die Rollen, die das Kabinett auf jeden Fall haben sollte – es wiegt immerhin etwa 60 kg – sollten nicht mit Holzschrauben an der Grundpaltte befestigt werden, sondern mit Maschinenschrauben und Muttern; man kann sie dann bei Defekten leichter austauschen. Die Rollen selbst sollte man überdimensionieren; die auf dem Bild tragen 70 kg pro Stück. Vorteilhaft ist es auch, zwei feste und zwei lenkbare Rollen zu nehmen.
Der Rohbau von Außen. Die Schallöffnungen wurden mit der Stichsäge ausgesägt, die Rundungen stammen von Untertassen – Untertassen wurden als Maß genommen. Die Rückwand bekommt keine Schallöffnung.
So sieht das Ganze von Innen aus; noch fehlen die Leisten in den Ecken, an denen die Seitenteile von Innen mit Holzschrauben befestigt werden.
Hier wird Maß genommen für die Hochton-Einheit und die Basstrommel, der Tieftöner fehlt noch. Die Schallwand besteht aus zwei miteinander verleimten 18 mm Multiplexplatten.
Der Basslautsprecher ist jetzt eingebaut. Die Brücke über der Schallwandöffnung dient als Lageraufname für die Basstrommel. Das Lager selbst ist denkbar primitiv: Eine Metallhülse, in der die Achse der Basstrommel steckt. Muss also von Zeit zu Zeit geölt werden.
Innen alles schön schwarz anmalen…
… und der Rohbau ist fertig. Außen wird das Kabinett mit einer Lasur gestrichen, “Mahagoni” stand auf der Dose.
Sah nach dem ersten Anstrich so aus. Dreimal streichen hilft, denn dann sieht das Gehäuse so aus:
Schönes Möbel, wenn man einen Blick dafür hat. Die Schallöffnungen wurden mit von Innen befestigtem Streckmetall aus dem Baumarkt abgedeckt, immerhin befinden sich dicht dahinter Elektromotoren, die mit 220 Volt laufen. Das Streckmetall sollte zunächst auf Silikonraupen (Sanitär-Silikon) gesetzt und dann erst – aber schnell – verschraubt werden. Da in Rotationslautsprechern ab einer gewissen Lautstärke alles, was nicht gut befestigt und gedämpft ist, mitschwingt, ist das eine Vorsichtsmaßnahme.
Noch schnell ein Blick ins Innere:
Die Anschlusskabel – Lautsprecher, Steuerleitungen, Stromkabel – sollte man etwa länger lassen, dann kann man die Rückwand auch mal abnehmen, ohne gleich das halbe Gerät umzubauen. Hier tut noch die Frequenzweiche von Allsound Dienst, wurde später gegen eine mit 12 dB Flankensteilheit ausgetauscht; die neue ist auch höher belastbar, immerhin verträgt der neue Basslautsprecher 250 Watt.
So klein können 70 Euro sich machen. Dann der Praxistest.
Üblicherweise werden die Kabinette von Allsound mit einem Fußschalter geschaltet, auf dem Bild unter der Orgel ganz links (in der Mitte Dunlop-Wah, daneben Schweller-Pedal). Wer das lieber in der Hand hat, muss sich einen Halbmondschalter selbst bauen.
Dazu werden zwei Stücke 18 mm Multiplex miteinander verleimt. Als Boden und Deckel wurden hier Stücke aus 1,5 mm Aluminiumblech ausgesägt. Der Schalter stammt von einer Telecaster-Gitarre.
Die 220 Volt für die Elektromotoren werden nicht mit diesem Schalter geschaltet: In das Kabinett werden ein 12-Volt-Trafo und zwei 12-Wechselstromrelais eingebaut, die die Schalterei übernehmen.















