All entries by this author

Horn und Rotorkopf

Mrz 23rd, 2009 | By | Category: Rotorkopf

Da bei Rotationslautsprechern in der Regel nur eines der meist zwei Hörner aktiv ist – das andere dient dem Gewichtsausgleich -, benötigt man auch nur ein Horn; wenn das Material leicht genug ist, ist ein Gewichtsausgleich unnötig. Getreu der Maxime, selbst zu machen, was selbst gemacht werden kann,  sollte auch das Horn selbst gemacht werden.

Das Horn besteht aus einem glasklaren Plexiglasrohr mit einer Länge von 25 cm. Der Durchmesser des Rohres beträgt außen 30 mm, innen etwa 26 mm. Diesen Durchmesser hat auch der Auslass des Hochtontreibers.  Das Horn sollte in etwa die Form des Schallstücks einer Trompete bekommen. Da sich Plexiglas unter Hitzeeinwirkung einigermaßen leicht verformen lässt, wurde ein Modell benötigt.

Dazu wurde eine Fanfare besorgt, wie sie etwa für Lastwagen und Boote üblich ist. Paarweise und ohne Kompressor kann man sie für einen Preis unter 20 Euro erhalten. Leider beträgt der Durchmesser dieser Hörner an der Eintrittsöffnung nur kaum mehr als einen Zentimeter; wäre er größer, könnte man diese Hörner direkt einsetzen.

Das Fanfarenhorn wurde dünn mit Olivenöl eingerieben und mit einem Heißluftgebläse, wie man es etwa zum Abbrennen von Farbe benutzt, erwärmt. Dann wurde das Plexiglasrohr auf das Horn gesteckt und im unteren Bereich ebenfalls erwärmt. Druck von oben bewirkt, dass das Plexiglasrohr sich über das Fanfarenhorn schiebt und dabei geweitet wird.

hornpressk1

Zu Beginn klappt das wie gewünscht. Das Plexiglasrohr muss ab und an von der Form abgenommen werden. Dennoch verformt sich das Plexiglas nicht gleichmäßig,  so dass die fertigen Hörner asymmetrisch werden; für experimentelle Zwecke dennoch geeignet.

hoernerk1

Es ist nicht ganz klar, aus welchem Grund sich das Plexiglas so verhält. Versuche mit PVC-Rohren (Abflussrohr aus dem Baumarkt) verliefen noch unbefriedigender, so dass sich hier ein weites Feld für zukünftige Experimente öffnete.

Das Plexiglashorn leidet unter der Behandlung ein wenig und hat danach meist mehr oder weniger viele Kratzer. Daher wurden die Hörner außen mit 400er Schleifpapier mattiert. Natürlich kann man Plexiglas auch lackieren.

Der Hochtontreiber strahlt in Rotationslautsprechern senkrecht nach oben ab. Dieser Luftstrom muss einigermaßen in die Horizontale gebracht werden. Diesem Zweck dient der eigentlich Rotorkopf; er enthält einen winklig geformten Kanal.

Dazu wurden aus 18 mm starkem Multiplex-Sperrholz – Rest aus dem Baumarkt -  mehrere Scheiben ausgesägt, von denen eine vor dem Aussägen genau zentriert wird, damit später die senkrechte Bohrung exakt angebracht werden kann.

rotkopfschichtk

Von diesen Scheiben werden drei miteinander verleimt.  Die Größe des Rotorkopfes ist nicht kritisch, natürlich muss genug Material vorhanden sein, um das Horn später fest einpassen zu können.

rotkopfroh2k

Hier der fertige Rotorkopf. Für die Bohrungen benötigt man einen Forstnerbohrer mit 30 mm Durchmesser. Die senkrechte Bohrung von 30 mm Durchmesser – hier wird später ein Aluminiumrohr von 30 mm Durchmesser (26 mm Innendurchmesser) eingesteckt – wird mit einem Bohrständer angebracht. Natürlich sollte der Kopf nicht vollständig durchbohrt werden, sondern nur etwa zur Hälfte. Die waagerechte Bohrung  – sie kann, muss aber nicht waagerecht sein, strömungstechnisch ist das unerheblich – muss dann freihand vorgenommen werden. Das ist nicht ganz einfach, man sollte sich dafür Zeit nehmen und immer wieder prüfen, wie tief die Bohrung jeweils aktuell ist.

Das Aluminiumrohr, das den Lufstrom aus dem Hochtontreiber in das Horn leitet, muss auf der Rotorkopfseite etwas abgeschrägt werden. Dabei entsteht eine Art Lasche, in die ein Loch von 4 mm gebohrt wird. Das Rohr wird dann in den Rotorkopf geschoben und von der Hornseite her eine Schraube in das 4 mm Loch geschraubt. Die Schraube dient dem Kraftschluss mit dem Rohr,  auf dem später auch die Antriebsscheibe sitzen soll, und dem Rotorkopf . In die waagerechte oder schräge Bohrung wird das Horn eingeschoben. Es wird zunächst nicht weiter befestigt.

rotkopfrohfertk

Das Aluminiumrohr wird in dieser Phase des Zusammenbaus noch nicht auf die endgültige Länge gebracht.

Den Rotorkopf kann man mit einer Schleifmaschine in eine angenehme Form bringen; am einfachsten mit einem Bandschleifer.

Der Rotorkopf wird in einem sogenannten Flanschlager gelagert; hier wurde eine quadratische Form gewählt, es gibt auch runde und ovale, die Form ist für diesen Zweck gleichgültig. Das Lager hat einen Innendurchmesser von 30 mm, das Aluminiumrohr passt als genau in dieses Lagerauge und wird mit zwei Stellschrauben am Lager befestigt.

rotkopfrohfert2k

Da diese Lager für große Belastungen gedacht sind und deshalb mit Fett gefüllt werden – auf dem Bild sieht man auch den Schmiernippel -, sind sie relativ schwergängig. Das Problem wurde noch nicht gelöst, irgendwie muss das Fett aus dem Lager entfernt und stattdessen etwas Motoröl eingefüllt werden.

Zwischen Lagergehäuse und Rotorkopf ist das Aluminiumrohr zu sehen. An dieser Stelle soll später eine Riemen- oder Zahnscheibe angebracht werden. Sie wird mit dem Rotorkopf fest verschraubt.

Nun müssen Rotorkopf und Lautsprecher noch zusammengebracht werden. Dazu wird eine 5 mm starke Aluminiumplatte mit den Abmessungen 20 x 20 cm mit einigen Bohrungen versehen. Genau im Zentrum wird eine Bohrung von 30 mm Durchmesser vorgenommen, dann die Bohrungen für den Hochtonlautprecher und die Bohrungen für das Flanschlager. Die Platte sollte also genau zentriert werden,was am einfachsten durch Anreißen der Diagonalen geschieht. Alle anderen Bohrungen orientieren sich an diesen Linien. Für die große Bohrung im Zentrum sollte man einen Schälbohrer verwenden; so ein Bohrer ist allerdings nicht ganz billig.

grundplatteeinzeltk

Hier die fertig gebohrte Platte, links der Hochtöner, rechts das Flanschlager. Bei dem Hochtontreiber handelt es sich um einen Mittel-Hochton-Lautsprecher der deutschen Firma BSM; er kann problemlos bei 800 Hz angekoppelt werden und hat aufgrund seiner Polyestermembran einen angenehmeren Klang als Modelle mit einer Metallmembran.

Die Verschraubungen für Lautsprecher und Lager müssen angesenkt werden, es kommen nur Gewindeschrauben mit Senkkopf in Frage, weil die Schraubenköpfe bündig mit der Plattenoberfläche abschließen müssen. Natürlich dürfen auch die Bohrungen für die Befestigung der Rotorkopfplatte mit der eigentlichen Trägerplatte nicht vergessen werden.

grundplattelager

Hier ist das Lager bereits auf der Trägerplatte verschraubt.

Diese Trägerplatte wird mit der eigentlichen Grundplatte verschraubt. Die Grundplatte hat die Maße des Gehäuses, also etwa 50 x 50 cm, je nach Erfordernis. Das Horn muss natürlich genügend Platz zum Rotieren haben und der kleinste Abstand zwischen Gehäusewand und Hornaustritt sollte nicht zu klein sein. Aus dem Zentrum der Platte wird ein quadratisches Loch von der Größe des Flanschlagergehäuses geschnitten.

tragerplattelagerk

Von oben sieht das so aus.

tragerplatteuntenk

Die Grundplatte von unten. Die Trägerplatte wird mit durch das Holz durchgesteckten Gewindeschrauben befestigt.

Nun kann das ganze Gebilde probeweise zusammengebaut werden.

tragerplattemothornk

Hier die komplette Rotoreinheit. Zu sehen ist auch schon die Motordose mit dem eingebauten Motor. Den Aufbau des Antriebs finden Sie auf der Seite Antrieb.



Eigenbau

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Eigenbau

Kann man ein Rotations-Lautsprecherkabinett selbst bauen?

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann sich Ersatzteile für die klassischen Leslies neu kaufen oder die, die es nicht mehr neu gibt, bei Internet-Auktionen ersteigern. Man kann sich einen Klone besorgen, die es mitunter – vor allem mit defekten Lautsprechern und Verstärkern – häufig für unter 100 Euro zu ersteigern gibt.

Man kann aber auch alles selbst machen und dabei einige typische Krankheiten der klassischen Rotationslautsprecher und deren Klone beseitigen.

Hier ein Beispiel für ein “Do it yourself”-Hochton-Kabinett, noch im Rohbau:

htroh

Billig an ein Orgel-Kabinett kommen durch Selbstbau?

Wer problemlos einen Rotationslautsprecher für seine Orgel haben will, sollte sich einen neu kaufen – durch die Zahlung von 3000 bis 4000 Euro spart man sich viel Arbeit und Zeit. Will man sich partout einen selbst bauen – dann ist das nur geringfügig billiger. Vielleicht kommt man mit 1000 bis 2000 Euro aus; zeitaufwändig ist die Sache aber in jedem Fall. Es will also gut überlegt sein. Andererseits kann man einige Dinge verwirklichen, die es bei keinem anderen Rotationslautsprecher gibt.

Klassisch

Viele Teile für die klassischen Rotationslautsprecher gibt es – bei Händlern in den USA und Großbritannien – neu zu kaufen. Die Lieferzeiten sind mitunter enorm, die Preise hoch. Baut man sich aus diesen Teilen ein Leslie zusammen, ist es kaum billiger, als wenn man ein fertiges Gerät kauft. Vor allem der Verstärker und die Mechanik schlagen zu Buche.

Phönix aus der Asche – Klones verwenden

Preiswerter kann es dagegen sein, sich einen Klone zu besorgen – Allsound, Solton, Dynacord usw. Meistens haben diese 25 bis 35 Jahre alten Geräte irgendwelche Macken. Mal sind die Lautsprecher mehr oder weniger defekt, oft sind es die Verstärker, bei denen wenigstens sämtliche Potis kratzen. Die Mechanik dieser Geräte ist aber in aller Regel so robust gebaut, dass sie immer funktioniert. Natürlich machen die alten Antriebe etwas Krach – oft sind es nur Gleitlager, um nicht zu sagen: Reiblager, die in diese Geräte eingebaut sind. Die Wechselstrommotoren sind schwach, die Treibriemen mitunter nicht mehr vorhanden. Mit etwas Überlegung und Einsatz lässt sich das aber immer auf einen neuwertigen Zustand bringen – so lange die Motoren vorhanden und intakt sind, denn Ersatz gibt es dafür nicht. Austausch durch ähnliche schlägt wegen der unterschiedlichen Drehzahlen oft fehl.

Ein Allsound Rotationslautsprecher kann eine gute Ausgangsbasis sein. Dieses Kabinett kostete bei Ebay 35 Euro; defekt waren Tieftöner, Verstärker und ein Treibriemen.

allsleslaltk

Nach dem Umbau sah es dann so aus:

rohbau11k

Von dem Allsound-Kabinett wurden der Hochtöner (RCF),

hochtonschraub

die Motoren, die Hörner – Styroportrommel für den Bass, Plastikhörner für den Hochtonbereich -, und die Frequenzweiche verwendet.  Das Gehäuse wurde aus 18 mm starken Multiplexplatten gebaut; schön schwer. Die Schallwand wurde aus zwei 18 mm starken, miteinander verleimten Platten hergestellt. Der Tieftöner stammt von Conrad, es ist ein PA-Lautsprecher mit Aluminiumgusskorb. Später wurde die 6-dB-Weiche gegen eine mit 12 dB Flankensteilheit ausgetauscht. Auf den Klang des Kabinettes hatte der Austausch keine Auswirkung, allerdings liegt die Belastbarkeit jetzt höher, auch wegen des höher belastbaren Tieftöners.

Derzeit wird der Rotationslautsprecher noch mit dem Allsound-Fußschalter geschaltet; geplant ist eine Relaisschaltung mit Hilfe von zwei Wechselstromrelais und einem Eigenbau-Halbmondschalter.

Der gesamte Umbau ist unter Allsound-Umbau beschrieben.

Eigenbau

Natürlich ist es reizvoll, einen Rotationslautsprecher soweit möglich, selbst zu konstruieren und zu bauen. Man kann dann ein Gerät ganz nach Wunsch bauen. Es ist nicht unbedingt billiger als ein fertig aufgebauter Rotationslautsprecher, zumal man am Anfang manch kostspieligen Fehler machen kann.

Die Maxime bei den hier vorgestellten Eigenbauten war: Es sollte alles selbst gebaut werden und nur auf die  industriell gefertigten Teile zurückgegriffen werden, die man nicht selbst bauen kann, wie etwa Lager und Elektromotor. Das Material sollte aus dem Baumarkt stammen; das lässt sich natürlich nicht durchhalten, Flanschlager etwa oder Plexiglasrohre gibt es im Baumarkt nicht. Wenn also der Baumarkt nichts parat hat, sollte auf Konfektionsware zurückgriffen werden.



Schweizer Rotor

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Schweizer Rotor

Bei diesem Umbau stand ein Rotationslautsprecher zur Verfügung, den ein Schweizer Ingenieur für seine Diplomarbeit gebaut hatte. Im Prinzip ist es ein konventionelles Gerät mit Tieftonlautsprecher und Hochtonlautsprecher, angeordnet wie bei den klassischen Geräten der Firma Leslie. Der 12-Zoll-Tieftöner stammt von Monacor, der Druckkammerhochtöner von Wharfedale, die 12-dB-Weiche von Monacor.

Das Besondere an dem Gerät sind einerseits die kugelgelagerten Rotoren und das mit Carbonfaser verstärkte Kunststoffhorn, andererseits die Regelelektronik für die Gleichstrommotoren; es handelt sich um Bausätze der Firma Conrad.

Da das ursprüngliche Gehäuse aus MDF-Platten bestand, wurde für die Rotoren ein neues Gehäuse gebaut, wie bei dem Allsound-Umbau aus 18 mm Multiplexplatten. Die Rotoreinheiten wurden zunächst im ursprünglichen Zustand belassen.

slesliebassrotor2

Links die Hochtoneinheit, rechts der Bassrotor. Der Bassrotor besteht aus dünnen Styroporplatten, die mit Kunststoff und Glasfasergewebe verstärkt wurden. Rechts auf der Platte ist der Elektromotor zum Antrieb des Rotors zu sehen, ein Gleichstrommotor von Maxon.

slesliehorn2

Das Hochtonhorn mitsamt Antrieb. Da bei allen Rotationslautsprechern nur ein Horn aktiv ist, selbst wenn sie allesamt mit zwei Hörnern daherkommen -, kann man sich ein Horn sparen und stattdessen ein Ausgleichsgewicht vorsehen. Das Horn selbst besteht aus einem Kohlefaserschlauch, der über einem Holzmodell mit Kunststoff laminiert wurde. Unter der aus Aluminium gedrehten Hornplatte befindet sich der Druckkammerlautsprecher; er stammt von der Firma Wharfedale. Dass der Luftstrom von der Lautsprecheröffnung aus rechtwinklig ins Horn geleitet wird, hat strömungstechnisch keine ungünstigen Auswirkungen.

slesliebassrotor

Der Bassrotor läuft kugelgelagert auf einem Zapfen. Die Hülse, die auf den Zapfen aufgesteckt wird, ist in den Bassrotor eingeharzt. Ein Deckel, der mit einer Schraube auf dem Zapfen verschraubt wird, hält den Rotor an Ort und Stelle. Rechts der Maxon-Motor.

slesliekugel

Das Verbindungsstück zwischen Druckkammerlautsprecher und dem Horn, das auf dieses Verbindungsstück aufgesteckt wird. In der Mitte das Kugellager, dessen innerer Durchmesser genauso groß ist wie die Öffnung des Druckkammerlautsprechers, also ein Zoll, das sind etwa 2,5 cm. Es ist ein normales Kugellager, kein Drucklager; der Hornträger ist so leicht, dass das Lager kaum belastet wird.

slesliefertigoff

Das Gehäuse wurde genau so gebaut wie das für den Allsound-Rotationslautsprecher: 18 mm Multiplex, 36 mm Schallwand. Auf der Schallwand steht der Transformator zur Stromversorgung der Motoren.

sleslieelektr

Die Regelelektronik für die Motoren. Für jeden der zwei Motoren wird eine benötigt. Man kann die Spannung stufenlos zwischen 0 und 30 Volt einstellen. Für die Spannungsregelung kann man entweder ein Stereopotentiometer vorsehen, mit dem die Spannung direkt von der Orgel aus geregelt wird, oder aber für jede Regelelektronik zwei Potentiometer, die im Lautsprechergehäuse eingebaut werden. Mit einem relaisgesteuerten Umschalter können die Potentiometer an die Regelelektronik geschaltet werden. Die Spannungen werden vorher an den Potentiometern fest eingestellt. Diese Anordnung hat den Vorteil, dass man für Hochtonrotor und Bassrotor verschiedene Geschwindigkeiten einstellen und den “wirkungsvollsten” Bereich von vornherein festlegen kann.

sleslieoffen

Fertig aufgebaut und lasiert, wieder mit “Mahagoni”, aber eine andere Dose als beim Allsound-Umbau.

lesliesdiyk

Links der Schweizer Rotor, rechts der Allsound-Umbau. Der Verstärker ist ein zweikanaliger 18-Watt-Gitarrenverstärker, für Wohnräume schon um Einiges zu laut.



Allsound-Umbau

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Allsound-Umbau

Seit den 1960er-Jahren haben viele Firmen Rotationslautsprecher gebaut. Zu ihnen gehörten auch die Firmen Dynacord, Solton und Allsound, die Geräte bauten, die sich sehr ähneln. Bei Auktionen im Internet kann man sie mitunter recht preisgünstig bekommen, da sie aufgrund ihres Alters oft mehr oder weniger defekt sind. Meist ist der Verstärker unbrauchbar. Es sind fast immer Transistorverstärker, bei denen wenigstens die Ladeelkos des Netzteils und die Potentiometer ausgetauscht werden müssen. Ob sich das lohnt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Transistorverstärker klingen natürlich anders als Röhrenverstärker, und manch ein Hammond-Clone klingt an derartigen Verstärkern zu brillant, manchmal geradezu “spitz”.

Da die Mechaniken dieser alten Rotationslautsprecher sehr robust gebaut sind, kann es höchstens mal sein, dass die Treibriemen fehlen oder unbrauchbar sind. Originale Ersatzteile sind zwar nicht mehr zu bekommen, da es sich aber um normale Rundriemen aus Gummi handelt – manchmal umsponnen – kann man ähnliche kaufen.

Der Rotationslautsprecher auf der unten stehenden Abbildung stammt von der Firma Allsound. Das Gerät konnte für 35 Euro ersteigert werden. Es war seinem Alter entsprechend äußerlich in gutem Zustand, defekt waren ein Treibriemen, der Tieftöner und der Verstärker.

allsleslaltk

Das zweiteilige Gehäuse hat zwar Vorteile – es lässt sich leichter transportieren -, doch sollte ein einteiliges Kabinett daraus werden. Der Verstärker wurde nach einem kurzen Reparaturversuch – Austausch der Ladeelkos – entfernt. Er war zwar laut und durchaus brauchbar, klang an einer Korg BX3 aber geradezu grell. Der Tieftöner kratzte bei größerer Lautstärke, war also mal überlastet worden. Eine Reparatur hätte sich hier nicht gelohnt. Das gesamte Gerät war natürlich innen völlig verstaubt.

hochhornstaubk

Hier sieht man den Hochtonrotor, den Druckkammer-Hochtöner der italienischen Firma RCF, einen Teil des Antriebs – zwei Elektromotoren – und die sehr einfache Frequenzweiche – sie bestand aus einer einzigen Spule und zwei gegeneinander gepolten Elkos.

Das Gerät wurde komplett demontiert und die einzelnen Teile gereinigt. Die Lager der drehenden Teile wurden geölt.

Das neue Gehäuse besteht aus 18 mm starken Mulitplexplatten aus Birke.

material1k

Hier die Einzelteile. Aufgebaut wird das Gehäuse ganz klassisch auf einer Grundplatte, deren Maße die Hochton-Einheit aus dem Allsound-Gehäuse vorgibt.

robauh1k

Auf der Grundplatte werden Leisten verschraubt, an denen wiederum die Seitenteile befestigt werden. Auf dem Bild ist auch eine Öffnung zu sehen, die in der Größe der “Bassreflex”-Öffnung des Allsound-Gehäuses gleicht. Die Wirksamkeit darf bezweifelt werden. Die Rollen, die das Kabinett auf jeden Fall haben sollte – es wiegt immerhin etwa 60 kg – sollten nicht mit Holzschrauben an der Grundpaltte befestigt werden, sondern mit Maschinenschrauben und Muttern; man kann sie dann bei Defekten leichter austauschen. Die Rollen selbst sollte man überdimensionieren; die auf dem Bild tragen 70 kg pro Stück. Vorteilhaft ist es auch, zwei feste und zwei lenkbare Rollen zu nehmen.

rohbau2k

Der Rohbau von Außen. Die Schallöffnungen wurden mit der Stichsäge ausgesägt, die Rundungen stammen von Untertassen – Untertassen wurden als Maß genommen. Die Rückwand bekommt keine Schallöffnung.

rohbau4k

So sieht das Ganze von Innen aus; noch fehlen die Leisten in den Ecken, an denen die Seitenteile von Innen mit Holzschrauben befestigt werden.

rohbau5k

Hier wird Maß genommen für die Hochton-Einheit und die Basstrommel, der Tieftöner fehlt noch. Die Schallwand besteht aus zwei miteinander verleimten 18 mm Multiplexplatten.

rohbau6k

Der Basslautsprecher ist jetzt eingebaut. Die Brücke über der Schallwandöffnung dient als Lageraufname für die Basstrommel. Das Lager selbst ist denkbar primitiv: Eine Metallhülse, in der die Achse der Basstrommel steckt. Muss also von Zeit zu Zeit geölt werden.

rohbau8k

Innen alles schön schwarz anmalen…

rohbau0k

… und der Rohbau ist fertig. Außen wird das Kabinett mit einer Lasur gestrichen, “Mahagoni” stand auf der Dose.

rohbau10k

Sah nach dem ersten Anstrich so aus. Dreimal streichen hilft, denn dann sieht das Gehäuse so aus:

rohbau11k

Schönes Möbel, wenn man einen Blick dafür hat. Die Schallöffnungen wurden mit von Innen befestigtem Streckmetall aus dem Baumarkt abgedeckt, immerhin befinden sich dicht dahinter Elektromotoren, die mit 220 Volt laufen. Das Streckmetall sollte zunächst auf Silikonraupen (Sanitär-Silikon) gesetzt und dann erst – aber schnell – verschraubt werden. Da in Rotationslautsprechern ab einer gewissen Lautstärke alles, was nicht gut befestigt und gedämpft ist, mitschwingt, ist das eine Vorsichtsmaßnahme.

Noch schnell ein Blick ins Innere:

rohbau12k

Die Anschlusskabel – Lautsprecher, Steuerleitungen, Stromkabel – sollte man etwa länger lassen, dann kann man die Rückwand auch mal abnehmen, ohne gleich das halbe Gerät umzubauen. Hier tut noch die Frequenzweiche von Allsound Dienst, wurde später gegen eine mit 12 dB Flankensteilheit ausgetauscht; die neue ist auch höher belastbar, immerhin verträgt der neue Basslautsprecher 250 Watt.

frequenzw

So klein können 70 Euro sich machen. Dann der Praxistest.

lesliesdiyk

Üblicherweise werden die Kabinette von Allsound mit einem Fußschalter geschaltet, auf dem Bild unter der Orgel ganz links (in der Mitte Dunlop-Wah, daneben Schweller-Pedal). Wer das lieber in der Hand hat, muss sich einen Halbmondschalter selbst bauen.

halbmondschalterk

Dazu werden zwei Stücke 18 mm Multiplex miteinander verleimt. Als Boden und Deckel wurden hier Stücke aus 1,5 mm Aluminiumblech ausgesägt. Der Schalter stammt von einer Telecaster-Gitarre.

Die 220 Volt für die Elektromotoren werden nicht mit diesem Schalter geschaltet: In das Kabinett werden ein 12-Volt-Trafo und zwei 12-Wechselstromrelais eingebaut, die die Schalterei übernehmen.



Aufbau

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Aufbau

Grundsätzlich sind Rotationslautsprecher Zwei-Wege-Systeme. Es ist indes nicht unbedingt notwendig, dass sowohl vor das Hochton- als auch vor den Tieftonlautsprecher eine rotierende Vorrichtung angebracht wird, zumal der Effekt vor allem im Hochtonbereich besonders eindrucksvoll ist.

Tieftöner

Als Tieftonlautsprecher kommen vor allem 15-Zoll-Lautsprecher in Frage. In die klassischen Rotationslautsprechergehäuse sind Lautsprecher der Firma Jensen eingebaut. Heute sollte man leistungsstärkere Lautsprecher verwenden, wie sie etwa für Bassgitarren und PAs zum Einsatz kommen. Vorteilhaft ist es, wenn sie über einen Korb aus Aluminiumguss verfügen; auch sollte die Membran hart aufgehängt sein. Mit anderen Worten: Es sollten dieselben Lautsprecher verwendet werden, die auch für elektrische Bassgitarren benutzt werden. Ob es dabei ein 12- oder 15-Zoll-Lautsprecher ist, ist eher nebensächlich.

Hochtöner

Als Hochtonlautsprecher kommen nur Compression Driver in Frage, also Druckkammer-Lautsprecher. Tatsächlich kommen eher Mittel-Hochton-Lautsprecher in die Gehäuse, denn bei Rotationlautsprechern werden die Hochtöner in der Regel bei 800 Hz angekoppelt. Ob das so sein muss, wird weiter unten erörtert.
Es werden immer 1-Zoll-Hochtöner verwendet, bei denen der Durchmesser der Membran also etwa 2,5 cm beträgt. Diese Lautsprecher gibt es in zwei Bauformen: Zum einen können sie einen Gewindeanschluss von 1 3/8-Zoll Durchmesser haben, zum anderen gibt es sie ohne Gewinde; üblicherweise wird an diesen Chassis direkt ein Horn befestigt.
Hochtöner dieser Art haben einen Frequenzgang von etwa 500 Hz bis weit über 15 000 Hz. Für die Wiedergabe einer Orgel ist diese obere Grenzfrequenz eher uninteressant, ihre Grundtöne reichen nicht weit über 6000 Hz hinaus und das Obertonspektrum ist – lässt man Verzerrungen, die z. B. vom Verstärker herrühren, außer Acht – praktisch nicht vorhanden. Man ist also mit jedem Hochton-Treiber auf der sicheren Seite.
Die Hochtöner von Jensen hatten Membrane aus Phenol, einem altertümlichen Kunststoff. Heutige Hochton-Treiber haben meistens Membrane aus Metall oder Polyester. Subjektiv klingen Treiber mit einer Metallmembrane härter und brillanter – also Geschmackssache, was man bevorzugt.

Frequenzweiche

Die Frequenzweiche ist ein Kapitel für sich. Die Trennfrequenz liegt bei den klassischen Kabinetten etwa bei 800 Hz, mitunter auch etwas darunter. Es handelt sich meistens um Weichen mit Filterschaltungen von 6 dB Flankensteilheit von zum Teil abenteuerlicher Bauart.
Bei vielen Klones der klassischen Rotationslautsprecher wurden Hochtöner eingebaut, die man erst ab 1200 Hz oder 1500 Hz sinnvoll abtrennen kann. Es ist eine philosophische Frage, ob man das machen sollte. Von der Physik her spricht wenig dagegen: Selbst 1500 Hz sind noch keine Oktave höher als 800 Hz, 1200 etwa eine Sexte. Zieht man nur den 8-Fuß-Riegel, hat man beim Stimmton a 440 Hz dieselbe Fußlage wie man sie am Klavier hat. Eine Oktave höher hat man schon 880 Hz – hier ist also schon der Hochtöner wirksam. Spielt man auf derselben Taste einen 4-Fuß-Riegel, sind es 1760 Hz, bei einem 2-Fuß-Riegel 3520 Hz usw.
Von daher ist es also ziemlich gleichgültig, ob man eine bei 800 Hz oder bei 1200 Hz trennende Weiche in seinem Kabinett hat. Verwendet man häufig kleine Fußlagen – also 2 oder 1 Fuß – und benutzt die gesamte Breite des Manuals – wie es vor allem Jazz-Organisten tun -, so hat der Tieftöner einen Teil der hohen Frequenzen immer mit zu übertragen – kann er nicht gut. Spielt man dagegen meistens auf der rechten Seite der Manuale und benutzt – wie es in Rockbands mit Bassisten geschieht -, vor allem höhere Fußlagen, so hat den Hauptteil der Last eher der Hochtöner zu tragen. Es kommt also stark darauf an, wie man registriert.
Will man also aus welchen Gründen auch immer eine Weiche benutzen, die bei 1200 Hz 0der 1500 Hz trennt, muss der Tieftöner dazu passen und die Frequenzen bis dahin noch mit einigem Druck abgeben können. Das konnten die alten Jensen nicht, also trennte man bei 800 Hz. Heute kann man durchaus Tieftöner finden, die dazu noch in der Lage sind.
Dass diese Rotationslautsprecher je nach dem, wo ihre Weiche trennt, anders klingen, liegt auf der Hand. Der Bereich zwischen 800 und 1200 Hz wird ja in dem einen Fall mehr vom Hochtöner, im anderen Fall mehr vom Tieftöner übertragen. Höhere Trennfrequenzen führen also nicht unbedingt zu einem schlechteren Klang – das Kabinett klingt lediglich etwas anders, oder hat sogar eine gewisse Lücke, weil entweder der Tieftöner die hohen Tönen nicht mehr mit dem nötigen Druck wiedergeben kann, oder aber der Hochtöner die tiefen Frequenzen nur schwach oder gar nicht abstrahlt.
Spielt man mit Pedal, sollte man auf jeden Fall bei 800 Hz trennen, die Lautsprecher werden es danken.



Effektgerät

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Effektgerät

Eine Rotationslautsprecheranlage muss grundsätzlich zwei Aufgaben erfüllen: Die von der Orgel kommende Tonspannung muss verstärkt und durch leistungsstarke Lautsprecher wiedergegeben werden; gleichzeitig soll diese Verstärker-Lautsprecher-Kombination den Rotationseffekt erzeugen.

Als Organist muss man sich also darüber im Klaren sein, dass ein Rotationslautsprecher in erster Linie ein Effektgerät ist, das nebenbei auch den Orgelklang hörbar macht. Man kann von einem Rotationslautsprecher nicht die Eigenschaften einer High-Fidelity-Lautsprecherkombination erwarten. Der Klang der Orgel wird immer verfärbt. Das ist im Prinzip – wenn die Orgel dann tatsächlich gut klingt – gewollt; klingt sie nicht gut, eröffnet sich ein weites Feld für Experimente.

Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil liegt darin, dass man mit Gehäuseformen und –abmessungen experimentieren kann. Man kann verschiedene Lautsprecherchassis ausprobieren und verschiedene Frequenzweichen. Man kann die Wirkung verschiedener Rotationsgeschwindigkeiten testen.

Der Nachteil liegt darin, dass jeder Rotationslautsprecher anders klingt und der Maßstab, wie ein Rotationslautsprecher zu klingen hat, von den Anlagen der Firma Leslie gesetzt wird. Diesem Maßstab nachzueifern, kann manch graues Haar erzeugen.

Der Rotationslautsprecher als Wiedergabeanlage

Es gibt so genannte „aktive“ und „passive“ Rotationslautsprecher. „Aktiv“ bedeutet, dass sich im Lautsprechergehäuse auch wenigstens eine Endstufe befindet, manchmal auch eine Vorstufe zur Klangregelung. In den klassischen Rotationslautsprechergehäusen befindet sich eine durchweg mit Röhren bestückte Endstufe mit einer Ausgangsleistung von etwa 40 Watt. Später haben sich Transistorendstufen durchgesetzt, die wenigstens 100 Watt leisteten, manchmal auch mehr. Dennoch sind die Transistorendstufen nicht unbedingt lauter als die Röhrendstufen. Ähnlich wie bei Gitarren, wo der Transistor bis heute die Röhre nicht verdrängen konnte, klingt nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Organisten ein mit einer Röhrenendstufe bestückter Rotationslautsprecher besser.

Man täusche sich auch nicht über die mit einer 40-Watt-Endstufe bestückten Lautsprecher: Wenn man nicht gerade bei Deep Purple spielt, reicht die Lautstärke in den weitaus meisten Fällen aus. Spielt man auch in einer Rockband häufig solistisch, kann es dagegen schon notwendig werden, auf stärkere Verstärker zurückzugreifen – auf einen Röhrenverstärker.

„Passive“ Rotationslautsprecher haben dem gegenüber den Vorteil, dass der Organist in der Wahl des Verstärkers frei ist. Man kann praktisch jeden Gitarrenverstärker verwenden. Viele Organisten – John Lord oder auch Keith Emerson – haben immer wieder Marshall- oder Hiwatt-Verstärker benutzt. Auch ist ein passives Leslie stets leichter. Der – geringe – Nachteil ist darin zu sehen, dass man die mehrpoligen Buchsen, die in Hammond- und anderen Orgeln eingebaut sind, um den Rotationslautsprecher zu steuern, nicht benutzen kann, da sie nicht vorhanden sind. Man benötigt einen in einen Fußschalter eingebauten Vorverstärker. Dieser wiederum lässt sich auch mit Orgeln verwenden, die keine mehrpolige Buchse besitzen, sondern lediglich Klinkenbuchsen-Ausgänge. Hier sind also Tonspannungssignal und Lautsprechersteuerung getrennt. Technisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, passive Leslies zu steuern, man kann Fußschalter oder Halbmondschalter verwenden.

Der Rotationslautsprecher als Effektgerät

Was ein Rotationslautsprecher mit dem Klang einer Orgel macht, wird mitunter wie ein Mythos behandelt – nach dem Motto „Nichts Genaues weiß man nicht“. Häufig ist vom „Doppler“-Effekt die Rede, immer auch von Vibrato und Tremolo

Ein Vibrato findet definitiv nicht statt. Vibrato bedeutet eine periodisch sich verändernde Frequenz: Eine „zentrale“ Frequenz wird periodisch geringfügig erhöht und wieder erniedrigt, danach erniedrigt und wieder erhöht. Setzt ein Geiger also den Finger auf eine bestimmte Stelle auf eine Saite seiner Violine, bewegt der den Finger schnell abwechselnd in Richtung Schnecke bzw. Steg, belässt den Finger aber im Prinzip auf der Stelle, die er zuerst gegriffen hat, so handelt es sich um ein Vibrato.

Tremolo dagegen ist eine periodisch sich geringfügig ändernde Lautstärke. Es ist also falsch, wenn man bei der elektrischen Gitarre vom „Tremolo-Hebel“ oder „Tremolo-Arm“ spricht – es ist ein Vibrato-Hebel.