Effektgerät

Mrz 8th, 2009 | By | Category: Effektgerät

Eine Rotationslautsprecheranlage muss grundsätzlich zwei Aufgaben erfüllen: Die von der Orgel kommende Tonspannung muss verstärkt und durch leistungsstarke Lautsprecher wiedergegeben werden; gleichzeitig soll diese Verstärker-Lautsprecher-Kombination den Rotationseffekt erzeugen.

Als Organist muss man sich also darüber im Klaren sein, dass ein Rotationslautsprecher in erster Linie ein Effektgerät ist, das nebenbei auch den Orgelklang hörbar macht. Man kann von einem Rotationslautsprecher nicht die Eigenschaften einer High-Fidelity-Lautsprecherkombination erwarten. Der Klang der Orgel wird immer verfärbt. Das ist im Prinzip – wenn die Orgel dann tatsächlich gut klingt – gewollt; klingt sie nicht gut, eröffnet sich ein weites Feld für Experimente.

Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil liegt darin, dass man mit Gehäuseformen und –abmessungen experimentieren kann. Man kann verschiedene Lautsprecherchassis ausprobieren und verschiedene Frequenzweichen. Man kann die Wirkung verschiedener Rotationsgeschwindigkeiten testen.

Der Nachteil liegt darin, dass jeder Rotationslautsprecher anders klingt und der Maßstab, wie ein Rotationslautsprecher zu klingen hat, von den Anlagen der Firma Leslie gesetzt wird. Diesem Maßstab nachzueifern, kann manch graues Haar erzeugen.

Der Rotationslautsprecher als Wiedergabeanlage

Es gibt so genannte „aktive“ und „passive“ Rotationslautsprecher. „Aktiv“ bedeutet, dass sich im Lautsprechergehäuse auch wenigstens eine Endstufe befindet, manchmal auch eine Vorstufe zur Klangregelung. In den klassischen Rotationslautsprechergehäusen befindet sich eine durchweg mit Röhren bestückte Endstufe mit einer Ausgangsleistung von etwa 40 Watt. Später haben sich Transistorendstufen durchgesetzt, die wenigstens 100 Watt leisteten, manchmal auch mehr. Dennoch sind die Transistorendstufen nicht unbedingt lauter als die Röhrendstufen. Ähnlich wie bei Gitarren, wo der Transistor bis heute die Röhre nicht verdrängen konnte, klingt nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Organisten ein mit einer Röhrenendstufe bestückter Rotationslautsprecher besser.

Man täusche sich auch nicht über die mit einer 40-Watt-Endstufe bestückten Lautsprecher: Wenn man nicht gerade bei Deep Purple spielt, reicht die Lautstärke in den weitaus meisten Fällen aus. Spielt man auch in einer Rockband häufig solistisch, kann es dagegen schon notwendig werden, auf stärkere Verstärker zurückzugreifen – auf einen Röhrenverstärker.

„Passive“ Rotationslautsprecher haben dem gegenüber den Vorteil, dass der Organist in der Wahl des Verstärkers frei ist. Man kann praktisch jeden Gitarrenverstärker verwenden. Viele Organisten – John Lord oder auch Keith Emerson – haben immer wieder Marshall- oder Hiwatt-Verstärker benutzt. Auch ist ein passives Leslie stets leichter. Der – geringe – Nachteil ist darin zu sehen, dass man die mehrpoligen Buchsen, die in Hammond- und anderen Orgeln eingebaut sind, um den Rotationslautsprecher zu steuern, nicht benutzen kann, da sie nicht vorhanden sind. Man benötigt einen in einen Fußschalter eingebauten Vorverstärker. Dieser wiederum lässt sich auch mit Orgeln verwenden, die keine mehrpolige Buchse besitzen, sondern lediglich Klinkenbuchsen-Ausgänge. Hier sind also Tonspannungssignal und Lautsprechersteuerung getrennt. Technisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, passive Leslies zu steuern, man kann Fußschalter oder Halbmondschalter verwenden.

Der Rotationslautsprecher als Effektgerät

Was ein Rotationslautsprecher mit dem Klang einer Orgel macht, wird mitunter wie ein Mythos behandelt – nach dem Motto „Nichts Genaues weiß man nicht“. Häufig ist vom „Doppler“-Effekt die Rede, immer auch von Vibrato und Tremolo

Ein Vibrato findet definitiv nicht statt. Vibrato bedeutet eine periodisch sich verändernde Frequenz: Eine „zentrale“ Frequenz wird periodisch geringfügig erhöht und wieder erniedrigt, danach erniedrigt und wieder erhöht. Setzt ein Geiger also den Finger auf eine bestimmte Stelle auf eine Saite seiner Violine, bewegt der den Finger schnell abwechselnd in Richtung Schnecke bzw. Steg, belässt den Finger aber im Prinzip auf der Stelle, die er zuerst gegriffen hat, so handelt es sich um ein Vibrato.

Tremolo dagegen ist eine periodisch sich geringfügig ändernde Lautstärke. Es ist also falsch, wenn man bei der elektrischen Gitarre vom „Tremolo-Hebel“ oder „Tremolo-Arm“ spricht – es ist ein Vibrato-Hebel.

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